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Mehr Mut und Klarheit in KI-Fortbildungen Ich bin auf der Rückfahrt von zwei Tagen KI-Fortbildung mit dem Martin Luther Gymnasium aus Eisenach. Die Fortbildung fand in der Leucorea-Stiftung in Lutherstadt Wittenberg statt, was ein sehr angenehmer Tagungsort ist. Über unser Vorgehen bei der Fortbildung und die verwendeten Materialien werde ich noch gesondert bloggen. Hier möchte ich erst einmal ‚Hinter den Kulissen‘ meine persönliche Reflexion teilen. Hintergrund ist hier, dass ich mit etwas Sorge zu der Fortbildung gefahren bin. Es war – nach meiner Auszeit im Dezember – der erste schulinterne Fortbildungstag zum Thema Künstliche Intelligenz (KI), den ich gestaltet habe. Und genau diese Art von Fortbildungen war es im letzten Jahr, die sehr zu meiner persönlichen Krise beigetragen hat. Denn ich hatte insbesondere bei solchen Fortbildungen immer wieder den Eindruck, den Erwartungen der Kolleg*innen nicht gerecht werden zu können und sehr auf der Stelle zu treten. Ich freue mich nun sehr, dass meine Auszeit offensichtlich hilfreich war und zu Klarheit beigetragen hat, weshalb ich jetzt insgesamt ein sehr positives Fazit zu den beiden Tagen ziehe. Drei Aspekte waren dafür vor allem wichtig: Ich habe in dieser Fortbildung mit mehr Mut und Klarheit systemische Widersprüche insbesondere in der vorherrschenden Prüfungskultur als solche benannt und sichtbar gemacht. Das hat sehr dabei geholfen, dass Kolleg*innen, die angesichts von KI orientierungslos sind und von mir Antworten und Lösungen erwarten, zunächst einmal verstehen können, dass das Problem nicht ist, dass ich ihnen diese Lösungen vorenthalten will oder eben selbst einfach zu wenig Ahnung habe, sondern dass es ein systemisches Problem ist und wir – wenn wir nicht am System, d.h. an den grundlegenden Strukturen, ansetzen – diesen Widerspruch nicht vollständig auflösen können. Das war erstens für mich sehr erleichternd und zweitens für die Kolleg*innen eine (hoffentlich) hilfreiche Irritation und Perspektive. Ich habe gezielt nach pädagogischen Bündnispartner*innen im Kollegium gesucht. Das lässt sich glaube ich auch auf andere Fortbildungen übertragen, weil es in jedem Kollegium zumindest einzelne Menschen gibt, die sich bereits mehr pädagogisch reflektieren und sich somit weniger noch in der isolierten Rolle von Wissensvermittler*innen befinden. Bündnispartner*innen suchen bedeutete für mich dann erst einmal, gezielt Blickkontakt mit ihnen aufnehmen, während ich spreche. Und zweitens mit ihnen auch in Kaffeepausen über die von mir wahrgenommenen Herausforderungen der pädagogischen Veränderung anstelle einer Vereinfachungslogik im Kontext von KI vertiefter zu sprechen. Die Blickkontakte in bestätigende Gesichter half mir, mit mehr Mut und Klarheit zu sprechen. Durch die Kaffeegespräche konnte die Herausforderung noch einmal ganz anders ins Kollegium transportiert und weiter getragen werden. Ich habe – genau wie ich das ja auch für eine gute Lerngestaltung vorschlage – ausreichend Raum für Selbststeuerung beim Lernen gegeben und das auch sehr klar als solches benannt. Dazu habe ich konkret die unterschiedlichen Ebenen von KI vorgestellt (= Werkzeug, Lerngegenstand und Lernkultur) und dann dazu eingeladen, selbst für sich zu definieren, was erste Schritte zum Lernen sein könnten. Das führte dann zu einer sehr großen Vielfalt und ermöglichte, dass niemand sich überfordert oder auch überfahren fühlte. Wer erst einmal ’nur‘ bei KI auf Werkzeugebene ansetzen wollte, konnte sich dazu eine konkrete Unterrichtsidee überlegen. Andere konnten grundlegender darüber diskutieren, wie sie in Richtung Lernermöglichung statt Bewertungslogik kommen und wieder andere konnten eine Einführung in das Thema KI für ihre Klasse konzipieren. Im Ergebnis – davon bin ich überzeugt – wird sich das im Kollegium jetzt dann ganz wunderbar zusammenfügen. Und erst einmal sind alle ins Lernen und vor allem auch in einen gemeinsamen Austausch gekommen. Auf dieser Grundlage kann dann ganz viel Weiteres entstehen. Ich halte also fest: Systemische Widersprüche transparent machen, sich gezielt mit pädagogischen Bündnispartner*innen verbinden und ganz viel Raum für Selbststeuerung bieten, sind sehr wichtige Punkte für wirkungsvolle Fortbildungen, die dann vor allem auch viel Freude machen. Diese Folie folgte auf die obige Darstellung des Widerspruchs… und dann diese! #Selbstreflexion

StefanR

Ich bin Lehrkraft in der Erwachsenenbildung, für DaF, DaZ, Integrationskurse usw. und definitiv ein Bündnispartner in Unkenntnis.